Hospizbewegung Oldesloe und Umgebung e.V.

DenkMal

"Brücken bauen"

Der Herbst ist da. Die Sonne ist dabei, sich für immer längere Zeit zu verabschieden. Die Tage werden kürzer und dunkler. Und doch bekommen wir ihn bei der tiefer stehenden Sonne immer mal wieder zu sehen:

Regenbogen

Die anderen Brücken

Du hast einen schönen Beruf, sagte das Kind zum alten Brückenbauer, es muss schwer sein, Brücken zu bauen.
Wenn man es gelernt hat, ist es leicht, sagte der alte Brückenbauer. Es ist leicht, Brücken aus Beton und Stahl zu bauen. Die anderen Brücken sind viel schwieriger, sagte er, die baue ich in meinen Träumen.
Welche anderen Brücken? fragte das Kind.
Der alte Brückenbauer sah das Kind nachdenklich an. Er wusste nicht, ob es verstehen würde aber dann sagte er:

Ich möchte eine Brücke bauen von der Gegenwart in die Zukunft.
Ich möchte eine Brücke bauen von einem zum anderen Menschen,
von der Dunkelheit in das Licht, von der Traurigkeit zur Freude.
Ich möchte eine Brücke bauen von der Zeit in die Ewigkeit über alles Vergängliche hinweg.

Das kleine Kind hatte aufmerksam zugehört. Es hatte nicht alles verstanden, spürte aber, dass der alte Brückenbauer traurig war. Weil das Kind ihn wieder froh machen wollte, sagte es: Ich schenke dir meine Brücke.
Und das Kind malte für den Brückenbauer einen bunten Regenbogen.

(Anne Steinwart)

***10/2009***

 

Wir sind nur Gast auf Erden...

nur Gast auf Erden

… heißt es in einem alten Lied, das uns daran erinnert, dass wir Menschen irgendwann wieder Abschied nehmen müssen von dieser Erde und von unserem Leben.

Tag für Tag gehen wir alle diesem Abschied entgegen.

Und dabei gilt: Sterben kann – wie das Geborenwerden – ein natürlicher Vorgang sein und noch dazu ein besonders wichtiger Abschnitt unseres Lebensweges: eine Zeit des Reifens, der Klärung und des Loslassens.

Menschen in dieser entscheidenden Lebensphase sind oft alleingelassen mit ihren Ängsten, ihren Schmerzen und ihrem Bedürfnis nach Gespräch oder nach gemeinsamem Schweigen.

Die Hospizbewegung will in besonderem Maße für diejenigen Menschen da sein, deren Leiden nicht geheilt werden kann und die spüren, dass die Zeit des Abschieds nicht mehr fern ist. Will den Menschen, die mit diesem letzten Lebensabschnitt konfrontiert sind, Mut machen, diese Zeit nicht als bedrohlich zu empfinden, sondern sie auch als fruchtbaren Teil Lebens zu erkennen, anzunehmen und zu gestalten.

*** 11/2008 ***
        v v v

Krise und Chance - Alles hat seine Zeit

Klagen hat seine Zeit …, Tanzen hat seine Zeit ..., Suchen hat seine Zeit …, Verlieren hat seine Zeit ..., Schweigen hat seine Zeit …, Reden hat seine Zeit … Trauern hat seine Zeit …!

Ein Jahrtausende alter Text aus der Bibel, der sich simpel anhört, aber eine tiefe Lebensweisheit zum Ausdruck bringt, dass nämlich im Leben nicht alles gleichzeitig geht. So gibt es Zeiten, in denen wir mitleiden oder trauern, weil wir einen geliebten Menschen zu verlieren drohen oder bereits verloren haben, was uns möglicherweise in eine Krise stürzt.

In der chinesischen Wortschrift bestehen die Wörter "Krise" und "Chance" jeweils aus zwei Schriftzeichen:

Krise und Chance

Eines davon ist gleich, ist also sowohl im Wort "Krise" als auch im Wort "Chance" enthalten. Für die Chinesen ist damit klar: Krise und Chance haben ein gemeinsames Element. Was könnte uns das sagen?

Krisen erkennen wir meistens durch Erfahrung. Doch – Chancen, erkennen wir auch sie? Dabei begegnen sie uns ständig – die Chancen unseres Lebens. Manchmal klar und deutlich. Dann aber wiederum derart ver-steckt, dass es uns eben nicht so ganz leicht fällt, sie zu erkennen.

Unterhalb der Oberfläche halten sich Chancen versteckt, die zunächst in eine ganz andere Richtung deuten. Verborgene Chancen fragen nicht konkret nach „Ja" oder "Nein". Sie fragen nicht: "Bist du bereit?" Verborge-ne Chancen sind oftmals genau da zu finden, wo wir sie vielleicht am wenigsten vermuten würden – in schwierigen und belastenden Situationen und Ereignissen.

Wenn wir vom Leben aufgefordert werden, in der (plötzlichen) Konfrontation mit schwerer Krankheit, Sterben und Tod zu lernen und innerlich zu wachsen, so geschieht oft nicht mit einer Vorankündigung. Wenn eine sol-che Situation uns dann trifft, kann sie uns aber auch helfen, uns weiterzuentwickeln, über alte Verhaltensmus-ter hinauszuwachsen.

In solchen Zeiten sind wir nämlich besonders empfindsam und finden leichter Zugang zu den verschiedenen Anteilen unseres Seins. Da spüren wir ganz genau, was uns belastet, wovon wir uns endlich verabschieden möchten. Da spüren wir genau, was uns gut tut oder gut tun würde, was wir wirklich brauchen und ersehnen.

In Zeiten einer Krise fällt die Chance einer Bestandsaufnahme vielleicht leichter. Sie kann uns helfen, für unser Leben und unsere Beziehungen durchaus noch einmal einen neuen Weg zu wagen – nach der Devise: Was für mich gut ist, ist noch besser, wenn es auch für andere gut ist! oder: Was für andere gut ist, ist noch besser, wenn es auch für mich gut ist.

*** 08/2008 ***
        = = =


 

Der sterbende Mensch mit seinen körperlichen und psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnissen steht im Mittelpunkt
„Hospiz ist weniger ein Ort oder ein Platz, sondern eine bestimmte Art, die letzte Lebenszeit zu erleben, also eine Art Lebenseinstellung.“

Cicely Saunders,
Gründerin der Hospizbewegung in England


Bild
Textgröße ändern
Keine Schaltfächen zu sehen?
Dann bitte JavaScript im Browser aktivieren oder mit der Tastatur einstellen: Strg+ (größer) oder Strg- (kleiner).

Diese Website ist barrierefrei gestaltet.

Darstellung ohne Grafik und Farben.


>