Hospizbewegung Oldesloe und Umgebung e.V.




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DenkMal !?

Dezember 2013

 

../ "Und gleich trieb hinaus ihn der Geist - hinein in die Wüste. Und er war in der Wüste vierzig Tage." (Mk 1,31)

Die Wüstengeschichte in der Adventszeit? Was soll das denn?

Ganz am Anfang des Markus-Evangeliums, ausdrücklich bevor Jesus nach außen zu sprechen und zu handeln beginnt, schickt ihn der Geist erst einmal in die Wüste.

Mir ist Drewermanns Doppelband über das Markus-Evangelium (nach Jahren der Unberührtheit in meinem Bücherregal) mal wieder in die Hände gefallen. Erst schmökere ich nur ein wenig herum. Dann lasse ich mich von den Markierungen vorausgegangener Lektüre locken, mal wieder genauer hinzusehen.

Meine Güte! So vieles habe ich vom Inhalt des Buches vergessen, obwohl er mich doch vor Jahren wirklich überzeugt hatte. Gerne hätte ich mir diese Worte gemerkt und wie ein DenkMal in meinem Leben aufgestellt: Damit ich mich daran orientieren könne.

Adventszeit als Symbol für Vorbereitung auf Wachstum, das an Weihnachten symbolisch in uns immer wieder neu geboren werden will. Konkret auch als Vorbereitung für erwachsenen Umgang mit anderen Menschen. Als Vorbereitung für die Nähe zu Sterbenden. Und dazu ist Wüstenzeit hilfreich?

Drewermann schreibt: "Die Wüste, in die Jesus - hier stellvertretend für jede(n) von uns - eintritt, ist eine Zone des Rückzugs und der Distanz von allem fremden Tun und Urteilen. Man m u s s sie offenbar aufsuchen, vom Geist getrieben, wie die Schrift hervorhebt." Innehalten und Rückbesinnung als not-wendige Bedingung. In dieser Wüstenerfahrung wird es möglich, " die Wahrheit des eigenen Lebens kennenzulernen und die fremden Stimmen zum Schweigen zu bringen. Nicht was die anderen meinen und raten, loben und tadeln, sondern was in uns liegt, entscheidet." Wer wirklich hilfreich wirken will, "kommt nicht umhin, statt beim anderen, bei sich selber anzufangen und im eigenen Herzen nach dem Rechten zu schauen. Denn es ist ein geistiges Gesetz, dass jemand, der sich selbst noch nicht gefunden hat, auch nicht zum andern finden kann; er wird vielmehr den anderen mit seinen ungelösten Ängsten und Konflikten überziehen und kann nichts Wahres wirken noch empfangen. Nur wer einmal völlig relativiert ( und damit in der Wichtigkeit deutlich zurück nimmt ), was er in anderer Leute Augen ist oder sein könnte, gewinnt die Unabhängigkeit und Freiheit, wahr zu sein. Es braucht diese Wüstenerfahrung, wo nur das zählt, was an mir selber wirklich ist, ohne jedwede fremde Dreinmischung oder vorschnelle Rücksichtnahme."

Nun sind die kraftvollen Sätze in meinem Buch ein weiteres Mal dick angestrichen; diesmal sogar rot markiert! Wie ein Memento, ein DenkMal leuchten sie hervor aus den durchkämpften Seiten. Sie fordern mich auf und machen mir Mut, etwas davon in meinen Alltag und meine Hospizarbeit hinein zu nehmen.

Aber wie radikal kann ich diesen Denkanstoß ernst nehmen? Wie schnell finde ich Einwände: Was wenn ich aus meinem Innern keine Antworten höre? oder: ist das nicht egozentrisch? Du kannst doch nicht die gutgemeinten Ratschläge der anderen ignorieren! Und so gewinnen die fremden Gedanken, übernommen von andern und zum eigenen Wertesystem verdichtet, wieder schnell Oberhand. Unbewusst.   Also:     DenkMal!



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