Hospizbewegung Oldesloe und Umgebung e.V.



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DenkMal !?

August 2014

 

Vom versöhnlichen Blick nach außen und innen

Aus gegebenem Anlass komme ich am Thema "Glaubwürdigkeit der Worte" nicht vorbei, wenn ich hier von Zeit zu Zeit Gedanken zum Leben ( und Sterben ) in Worte fasse und dann auch noch veröffentliche.

Es sei darauf hingewiesen, dass ich keinerlei Ambitionen hege bezüglich der allgemeinen Bedeutung ( oder gar Wahrheit ) meiner Aussagen. Ich veröffentliche hier Versuche, meine momentane Sicht auf Fragen, die mich zur Zeit bewegen und die für die Leser(innen) vielleicht von Interesse sein könnten, zu klären, indem ich sie formuliere. Ich versuche, mich mit meinen eigenen Gedanken zu zeigen und nicht hinter Zitaten kluger Autoren zu verstecken.
Dabei unterliegen meine Worte nicht nur der ständig lauernden Gefahr, nicht alle wichtigen Aspekte in die schriftliche Auseinandersetzung mit dem Thema einbezogen zu haben und daher für genau Deine Ausgangs-Situation unbrauchbar zu sein. Weiterhin sind schriftliche Äußerungen immer gefährdet, missverstanden zu werden, denn sie transportieren nur Worte und keine ergänzenden Informationen wie Klang der Stimme, Mimik und Körpersprache des Senders und Empfängers. Wenn wir miteinander reden, Auge in Auge ( vielleicht sogar Hand in Hand ), dann können wir sehr schnell erkennen, was unsere Botschaften beim Gegenüber auslösen und dann darauf reagieren. Das lässt mich immer wieder am Sinn dieser Seite zweifeln - zumal ich kaum Rückmeldungen erhalte, ob die Seite gelesen wird, wie das Gelesene auf Euch wirkt und wie ihr das Thema anpacken würdet.

Ein ganz wichtiger Punkt, der in diesem Zusammenhang angesprochen werden muss, ist die Glaubwürdigkeit dessen, der da seine Gedanken mitteilt:
Was ich, was wir, in starken Momenten ( und dann noch mit der entsprechenden inneren Ruhe, dem zur Übersicht wichtigen Abstand, ohne von Konflikten und Anforderungen unmittelbar überfordert zu sein ) denken, sagen oder schreiben gerät im eigenen konkreten Alltag bisweilen unter die Räder und dann auch unter den Verdacht, die schönen Worte seien Luftblasen, gar Lügen und bestenfalls Abbilder "guten Vorsätze".

Vor Jahren schon hat mich ein Abschnitt des Vorwortes, das David Steindl-Rast, ein in Österreich geborener Benediktinermönch, Eremit, viel beachteter spiritueller Lehrer und weltweit tätiger Vortragsreisender und Autor zahlreicher Schriften, seinem Buch "Staunen und Dankbarkeit" voran gestellt hat, sehr beeindruckt und ich will diese Zeilen wörtlich zitieren, denn besser kann ich das nicht formulieren:
(S.8) "Wir schreiben eben meist nur an unseren besseren Tagen, weil uns an den schlechten die Kraft dazu fehlt und der Mut. So verrät das, was ich niederschrieb, wenig von meinen eigenen kalten Regentagen:"

Aber es geht bei diesem Thema der Glaubwürdigkeit unserer Worte ja nicht nur um öffentlich gemachte Äußerungen. Menschen, die uns nahe kommen und sind, werden tagtäglich zu Zeugen ( manchmal sogar zu Opfern ) dieser kalten Regentage unseres Zurück-Bleibens hinter unseren ( mutig und abgeklärt erscheinenden ) Worten. Wer sich aus dem Fenster lehnt, darf sich nicht wundern, wenn er gesehen wird - und so bleiben manche Menschen lieber stumm, zumindest vorsichtig mit ihren Äußerungen.

Und was macht den eigenen gnädigen Blick auf die Enttäuschungen, die wir durch die Kluft zwischen unseren Worten und der grauen, kleinmütigen Realität immer wieder im konkreten Leben auslösen, so schwer?
Warum erwachen schlagartig die eng mit unserer Lebensgeschichte verbundene Ängste und übernehmen auf der Lebensbühne sofort wieder eine Hauptrolle: Die Angst davor, einen geliebten Menschen enttäuscht und verletzt zu haben? Die Angst vor dem Verlust der Zuneigung, die uns so wichtig ist ? Die Angst davor, die eigene Daseins-Berechtigung mal wieder verspielt und nicht wirkungsvoll unter Beweis gestellt zu haben? Weitere Ängste, die unbenannt bleiben müssen, weil wir sie zwar wahrnehmen, aber nicht in Worte fassen können?

Diese Ängste sind lebenslang erlernt und geübt. Eine geduldige und nur langsam heilende neue Sicht durch ein wenig Selbstironie und Humor - wie kann das wachsen? Ein wenig mehr Vertrauen in die Liebe? Der Glaube an eine Macht, die will, dass wir sind - bedingungslos, ohne erworbenen Berechtigungsschein, umsonst?

Auch wenn sich das gnädige Fühlen nicht so prompt einstellen will, lasst es uns doch mal mit immer wieder erneuertem Denken versuchen.

In diesem Sinne: "DenkMal" wieder neu!

Euer Gerd Boos

Für Fragen, Anregungen, Rückmeldungen kannst Du ( ohne Öffentlichkeit ) die folgende E-Mail-Adresse nutzen: denkmal.austausch(at)gmail.com


 

Der sterbende Mensch mit seinen körperlichen und psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnissen steht im Mittelpunkt
„Hospiz ist weniger ein Ort oder ein Platz, sondern eine bestimmte Art, die letzte Lebenszeit zu erleben, also eine Art Lebenseinstellung.“

Cicely Saunders,
Gründerin der Hospizbewegung in England


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